“Da oben habe ich nie wirklich hingeguckt”: Stimmen aus dem Usability-Labor
7. August 2009 von Jörg Schmitt, Marcel Stehle
Sieben Studentinnen und Studenten der HAW Hamburg haben beluga 0.7 unter der Leitung von Prof. Ursula Schulz während des letzten Semesters auf Herz und Nieren bzw. auf Usability und Accessibility geprüft. Nach einer Heuristischen Evaluation, einem Cognitive Walkthrough, vielen Tests zur Barrierefreiheit und noch mehr Stunden im Usability-Labor der HAW übergeben wir diese Woche der Stabi unseren knapp 120 Seiten umfassenden Bericht. Herausgekommen sind einige für uns überraschende Erkenntnisse. Verwundert hat uns, dass nur wenige unserer Testpersonen die rechts oben platzierten Felder wahrgenommen und richtig interpretiert haben. Positiv aufgefallen ist, dass auch ProbandInnen ohne größere OPAC-Erfahrungen schnell zu guten Rechercheergebnissen kamen.
Anstelle einer reinen Aufzählung unserer Ergebnisse zeigen wir lieber einen kleinen Zusammenschnitt unserer Videoaufnahmen aus dem Usability-Labor:
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Beim Usability-Test kam die sogenannte Videofeedback-Methode zum Einsatz. Zunächst haben wir unsere Testpersonen vier Aufgaben in Stillarbeit bearbeiteten lassen und sie dabei aufgezeichnet. Nach einem kurzen Fragebogen wurden den ProbandInnen die Videomitschnitte der von ihnen bearbeiteten Aufgaben vorgeführt. Dabei haben wir die Testpersonen angehalten, ihre Vorgehensweisen und Aktionen zu kommentieren und zu erklären.
Die folgenden Kommentare haben wir so oder ähnlich besonders oft gehört:
“Die rechte Spalte fand ich praktisch”
Wie man sieht, waren die spontanen Reaktionen der Testpersonen insgesamt sehr positiv. Gerade die vielen Einschränkungsmöglichkeiten durch die Drilldowns und das minimalistische Design kamen bei den ProbandInnen gut an.
“Ich hab’ nur geschaut wo ich etwas eingeben kann”
Die Grafik auf der Startseite, die die Anzahl der vorhandenen Medientypen visualisiert, ist erwartungsgemäß gefloppt. Für die Testpersonen schien das Suchfeld das einzig Wichtige der Startseite zu sein.
“Ich hab’ immer nur auf das Farbige geachtet”
Als problematisch stellten sich die geschlossenen Facetten heraus, die von den meisten ProbandInnen entweder übersehen oder als nicht verfügbar interpretiert wurden. Vor allem weniger internetaffine Testpersonen erkannten die Navigationsmöglichkeit über die schwarzen Dreiecke nicht.
“Das graue Feld in der Mitte wirkt irgendwie komisch”
Über die Akzeptanz der Funktion “Aufsatzdatenbanken zu Ihrer Suche” lässt sich nach den Tests keine klare Aussage treffen. Wir haben aber festgestellt, dass die Position des Feldes innerhalb der Trefferliste bei den Testpersonen zu Irritationen geführt hat und für NutzerInnen von Screenreadern unvorteilhaft ist.
“Eine Buchbeschreibung fänd’ ich wirklich praktisch”
Fast alle ProbandInnen wünschten sich mehr Anhaltspunkte, um die Relevanz der einzelnen Treffer besser beurteilen zu können. Dabei wurde von einigen Testpersonen der Wunsch nach Rezensionen geäußert (ganz im Gegensatz zu den Fokusgruppen). Die in der Vollanzeige hinterlegten Google Book Search-Auszüge und Inhaltsverzeichnisse kamen gut an, wurden aber (immer noch) viel zu oft übersehen.
Ginge es nach uns, würde beluga in Zukunft so aussehen:
Zum Schluss noch ein Satz zur Barrierefreiheit: Beim BITV-Test erreichte beluga 0.7 immerhin 84 von 100 Punkten und gilt somit als “eingeschränkt zugänglich”.





