beluga 0.6: Die Weihnachts-Edition mit geänderter Backmischung
17. Dezember 2008 von Anne Christensen
Das Rezept für beluga 0.5 hat Uschi Schulz hier im Blog bereits beschrieben: 300 g Fokusgruppen, 600 g Solr und eine Prise Mashup. Hat nicht schlecht geschmeckt, geht aber besser: beluga 0.6 ist da, und wir haben zusätzlich 300 g Usability-Studien und je eine Handvoll UnAPI und refbase untergemischt. Bitte hier entlang zum Probieren.
Die Effekte der veränderten Backmischung im Einzelnen:
- Visualisierung des Kataloginhaltes nach Publikationsformen: Einige Testpersonen in den Usability-Studien beklagten die Kargheit der beluga-Startseite und die fehlende Information darüber, was eigentlich mit beluga gesucht und gefunden werden kann. Ein erster Ansatz, die um Licht in den Katalog als Black Box zu bringen, ist die neue Grafik auf der Startseite, die zumindest mit einem populären Irrglauben aufräumt: Zum Aufsätze-Finden ist dieses Tool nicht geeignet!
- Relevance Ranking: Die Trefferlisten bei beluga sind jetzt standardmäßig nach Relevanz sortiert. Zu dem Algorithmus, den wir hierfür verwenden, haben uns die Göttinger Suchkiste sowie die Library Labs der National Library of Australia inspiriert. Der Weisheit letzter Schluss ist das aber noch nicht: für spätere Versionen von beluga spielen wir mit dem Gedanken, unterschiedliche Relevanzsortierungen für Studierende (Lehrbücher und mehrfach vorhandene Titel nach vorn!), ExpertInnen (ähnliche Lösung wie jetzt mit optimaler Ausnutzung von Metadaten) und Trendsettern (Ausleihhits, Titel, die oft im Web zitiert und besprochen werden) einzuführen.
- Verbesserte Known-Item-Suche: Was bei beluga 0.5 schon ganz gut klappte, war die thematische Recherche. Known-Item-Suchen allerdings haben den Testpersonen in den Usability-Tests häufig Probleme bereitet, weswegen wir zwischenzeitlich durchaus daran gedacht haben, zwei unterschiedliche Such-Modi einzuführen. Getreu dem Motto “Don’t make me think” haben wir das allerdings wieder verworfen und stattdessen überlegt, wie wir die Drilldowns in den Trefferlisten so optimieren, dass auch den Known-Item-Suchenden sinnvolle Eingrenzungsmöglichkeiten gegeben werden: Zum Beispiel in Form der neuen Facette VerfasserInnen sowie einem “freien” Eingabefeld zum nachträglichen Eingrenzen.
- Drilldowns überhaupt: Hier haben wir einiges umsortiert und teilweise neu benannt. Neu ist die Differenzierung in Thema fein (Basis: Schlagwörter) und Thema grob (Basis: Klassifikationen). Die Erscheinungsjahre bündeln wir jetzt in jeweils angemessene Zeiträume.
- Empfehlungen: In der Vollanzeige von Treffern gibt es jetzt eine Box mit Vorschlägen ähnlicher Titel auf Basis von Schlagwörter.
- Google Book Search prominenter platzieren: Das Mashup mit Google Book Search war bei unseren Testpersonen ausgesprochen beliebt – sofern sie den Link zu dem Dienst fanden. In beluga 0.6 ist der Google Book Search-Button prominenter platziert, so zu sehen bei diesem Beispiel
- Exportmöglichkeiten: Die Liste der Zitierstile und Exportformate, die sich BenutzerInnen von beluga wünschen, tendiert gegen endlos – ein guter Grund, um diesbezüglich auf bestehende Lösungen aufzubauen und das Rad nicht neu zu erfinden: beluga 0.6 bedient sich des unAPI-Servers der Göttinger Verbundzentrale, um aus PICA-Daten MODS-Daten zu machen. Aus MODS nämlich kann refbase, das OpenSource-Tool für die Literaturverwaltung von Matthias Steffens, gefeiert u.a auf dem Bibcamp (Präsentationsfolien hier) allerlei Zitierstile und Exportformate generieren. Wir haben refbase lokal installiert und versorgen es über unser eigenes, ebenfalls als OpenSource verfügbares Perl-Modul Biblio::Refbase mit den MODS-Daten aus Göttingen. In der Konsequenz ist die Liste an Zitierstilen in den Exportboxen von beluga 0.6 ein Stückchen länger geworden, außerdem unterstützt beluga nun auch Zotero.
Wie immer ist alles natürlich noch sehr beta – Rückmeldungen sind wie immer sehr erwünscht. Ein Ausblick auf die nächsten Schritte:
- Fokusgruppen, Teil 2: Im Januar werden wir mit Studierenden über beluga diskutieren, und zwar schwerpunktmäßig über deren Bereitschaft zur Erstellung von persönlichen Listen, Rezensionen etc.
- Drilldowns: In beluga 0.6 haben wir noch nicht alle Erkenntnisse aus den Usability-Tests umgesetzt. In Vorbereitung sind die Überarbeitung der Facette Format sowie die Einführung einer neuen, noch namenlosen Facette, die eine Einschätzung des Adressatenkreises eines Titels ermöglichen soll (Lehrbuch, Dissertation, Kinderbuch, Roman…)
- Moodle-Anbindung: Im Januar werden wir beluga an eine bestehende Moodle-Installation in der Medizinische Fakutät anbinden.
- Aktualisierung und Erweiterung des beluga-Index: Der Datenbestand von beluga 0.6 ist immer noch derselbe wie der von beluga 0.5 – das vorgesehene Verfahren für die Aktualisierung des Index mittels des Online Update Fetches macht noch kleine Probleme. Wenn die Aktualisierung jedoch läuft, kann in einem nächsten Schritt die Erweiterung des Hamburg-Index um die Bestände der Partner-Bibliotheken (TUB, HAW, HCU) angegangen werden.
- Verfügbarkeitsinformationen: Die nächste Version von beluga wird aktuelle Verfügbarkeitsinformationen für die nachgewiesenen Titel enthalten. Seit Oktober haben wir, in enger Zusammenarbeit mit Uwe Reh von der HeBIS-Verbundzentrale in Frankfurt, an einer lokalen Anpassung der “Document Availability Information API” gearbeitet. beluga wird in Kürze zu einem ersten Testnutze des neuen Dienstes, an dessen Entwicklung auch Jakob Voß von der Göttinger Verbundzentrale beteiligt war.
- Datenbank-Recommender: Noch ein Anwendungsbeispiel für Kooperation: Anstatt den angedachten Empfehlungsdienst für zu einer Suchanfrage passenden Datenbanken selbst zu entwickeln, haben wir bei einem Treffen mit dem Bremer E-LIB-Team im November eine Nachnutzung von deren Lösung ausgeheckt und hoffen, diese in das nächste Release von beluga einbinden zu können.
Spätestens mit den beiden letzten Punkten wird deutlich, was beluga im Jahr 2009 auch bekommen wird: Nämlich eine “Danke”-Seite, die sich an die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer des Projektes richtet. Im Geiste der Jahreszeit einen besonders herzlichen Gruß an diese, bevor das beluga-Team die Werkstatt für dieses Jahr schließt.
Tags:beluga, Drill-Down, literaturverwaltung, relevance ranking, solr

Super, tolle Gestaltungsideen, und es ist auch eine prima Strategie, auf Refbase als Modul kombiniert mit dem unAPI-Service des GBV zu setzen. Und es bleibt wirklich spannend euer Projekt zu verfolgen!
Leute, was soll ich sagen: Beluga ist auf einem tollen Weg – ich habe jetzt noch gar nicht alle neuen Features begutachtet, aber schon der Zotero-Exportfilter ist eine Wucht!
Macht so weiter!
Viele Grüße, Thorsten