beluga-beta: Neue Version zu Ende der Projektlaufzeit
26. Oktober 2010 von Anne Christensen
Der Endspurt bei beluga ist beendet, und zu Ende der Projektlaufzeit in dieser Woche gibt es deswegen eine neue Version unserer Rechercheplattform: Optisch unverändert, aber mit vielen neuen Daten und neuen Funktionalitäten. Mit beluga sind jetzt die Bestände aller antragstellenden Bibliotheken plus der Hamburger Lehrerbibliothek durchsuchbar, insgesamt knapp 6 Millionen Titel. Für jede der neu hinzugekommenen Bibliotheken haben wir eine neue DAIA-Klasse geschrieben, um möglichst genaue Verfügbarkeitsinformationen geben zu können – das grundsätzliche Problem, dass diese Informationen von jeder Bibliothek unterschiedlich konzipiert und kodiert worden sind, macht die Sache aber mitunter noch holprig. Und auch sonst gibt es beim Thema Verfügbarkeit noch einen recht großen Verbesserungsspielraum: Angefangen mit der Sortierung der Informationen nach der optimalen Verfügbarkeit bis zur Integration von Geodaten zur Beantwortung von Fragen wie “Welches verfügbare Exemplar ist am nächsten zu meinem aktuellen Standort?” sind noch diverse Funktionalitäten denkbar, mit denen der Weg vom Nachweis zum eigentlichen (physischen) Bestand leichter gangbar wird.
Dass eine möglichst geschmeidige Verfügbarkeitsanzeige relativ weit oben in der Anforderungsliste von Benutzerinnen und Benutzer steht, ist eine von vielen anderen Erkenntnissen, die uns die Fokusgruppen-Interviews und Usability-Tests bei beluga gebracht haben. Der partizipative Ansatz bei beluga war ja so eine Art Alleinstellungsmerkmal des Projektes auf der Landkarte der verschiedenen Katalog 2.0-Initiativen von Bibliotheken, Verbünden und Software-Anbietern. Auf Grundlage der Rückmeldungen von Studierenden und Lehrenden haben wir u.a. auf die Möglichkeit zur Erzeugung von user-generated Content verzichtet und auch die soziale Ader von beluga weitestgehend vernachlässigt. Worauf wir uns stattdessen konzentriert haben, ist die Optimierung von Trefferlisten – das suchmaschinen-verwöhnte Publikum erwartet die relevantesten Publikationen auf der ersten Seite und ist wenig geneigt, die zweite, dritte oder weitere Trefferseiten anzusehen. Diesem hinreichend bekannten Phänomen versuchen wir in der neuen beluga-Version durch einen neuen Algorithmus für das Relevance Ranking Rechnung zu tragen, der insbesondere die Ergebnisse bei thematischen Suchen verbessert. Wie? Indem wir Listen von populären AutorInnen und Verlagen zu Rate ziehen, die wir entweder maschinell (AutorInnen) oder intellektuell (Verlage) erstellt haben. Publikationen von diesen AutorInnen bzw. aus diesen Verlagen werden höher gerankt, ebenso Einführungsliteratur. Darüber hinaus werden auch weiterhin bewährte Faktoren wie z.B. die Aktualität eines Werkes mit in die Relevanzberechnung einbezogen. Dieser neue Algorithmus greift allerdings nur dann, wenn tatsächlich eine thematische Suche durchgeführt wird – sollte die Eingabe nahe legen, dass es sich um eine Known-Item-Suche handelt, wenden wir andere Regeln an, um das gesuchte Werk möglichst zielsicher zu identifizieren und an der Spitze der Treffermenge zu präsentieren. Uns ist durchaus bewusst, dass für die Beurteilung der Relevanz eines Werkes noch viele weitere Faktoren eine Rolle spielen – unsere jetzige Lösung wollen wir deswegen als einen ersten Versuch verstanden wissen, neben bibliografischen Daten auch noch andere Faktoren in das Ranking einzubeziehen und die Möglichkeiten zu nutzen, die Solr für den Umgang mit Suchanfragen bereithält.
Wir hoffen, dass wir mit dem neuen Relevance Ranking sowie den bestehenden Optionen zum nachträglichen Einschränken von Suchergebnissen den hohen Erwartungen von Studierenden und Lehrenden an die Suchfunktionalitäten gerecht werden. Für die Stöbernden unter den Suchenden haben wir außerdem ein Neuerwerbungs-Browsing eingeführt, mit dem wir neue Titel im Bestand der beteiligten Bibliotheken prominent platzieren. Die schlechte Verfügbarkeit von Buchcovern lässt das etwas weniger attraktiv aussehen als gedacht – wir benutzen derzeit den LibraryThing-Webservice, sind aber mit den Ergebnissen noch nicht so ganz zufrieden. Zum Thema Mashup sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt, dass wir neben den Links zu den bibliotheksseitig erstellten Inhaltsverzeichnissen und zu Google Book Search nun auch auf PaperC verweisen.
Und dann haben wir noch an den Export-Optionen gearbeitet: Literaturangaben lassen sich nun auch im den Formaten BibTex, RIS, Endnote und Text herunterladen. Diese Möglichkeiten haben bislang noch gefehlt, da wir uns am Anfang des Projektes stärker darauf konzentriert haben, eine Verbindung zwischen beluga-Katalog und E-Learning-Plattformen herzustellen. Diese Verbindung besteht natürlich weiterhin und ist nun noch um den Export nach OLAT ergänzt worden. Für die neuen Exportformate haben wir uns mächtig gestreckt und uns dafür entschieden, einen eigenen Konverter für die Daten aus dem beluga-Internformat nach MODS zu schreiben, um bessere Kontrolle über die Qualität der Ergebnisse zu haben und auch dann noch flexibel zu sein, wenn der beluga-Index um Daten anwachsen sollte, die nicht in der GBV-Verbunddatenbank enthalten sind: Deren unAPI-Schnittstelle hatte uns bislang die MODS-Daten geliefert, die wir wiederum für die Belieferung an unsere lokale refbase-Installation brauchen, um damit die Vielzahl der gewünschten Zitierstile zu erzeugen. Da beluga nun selbst MODS-Daten erzeugt, steht dem weiteren Anwachsen des Indexes nichts mehr im Wege.
Was jetzt noch fehlt, ist der Umzug des gesamten Systems auf einen leistungsstärkeren Server. Dieser ist bereits beschafft und wird in Kürze in Betrieb genommen, so dass beluga noch im Wintersemester 2010/11 für die Studierenden und Lehrenden der Hamburger Hochschulen bereit gestellt werden kann. Bislang hat beluga von Seiten seiner künftigen Zielgruppen viele Vorschusslorbeeren erhalten: Viele TeilnehmerInnen aus den Fokusgruppen und Usability-Tests sowie die E-Learning-Community vor Ort benutzen beluga bereits seit längerem an Stelle des herkömmlichen Kataloges und loben die Optik und die Funktionalität des neuen Tools. Damit hat beluga schon ein wichtiges Ziel erreicht, nämlich ein Instrument zu sein, das gerne benutzt wird.
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